Wasser gibt es zwar reichlich im Schweizer Gletscherland Wallis, doch ist es nicht überall gleich verteilt. Den Ort, an dem man das Wasser aus den Wildbächen ableitete, nannte man «Schöpfe» (Fassung).
Im Gredetschtal sammelt sich im Mundbach vor allem das Schmelzwasser des Gredetschgletschers unterhalb des Nesthorns. Hinzu kommen Seitenbäche, zahlreiche Quellen sowie Schmelzwasser von Schneefeldern und Lawinenresten. Auch Regenwasser fliesst in den Bach. Der Mundbach speiste früher zeitweise bis zu zehn Suonen für die Dörfer Mund und Birgisch.
«Letztes Jahr im Frühling, beim Gemeinwerk im April, war die Schöpfe noch voller Schnee und vom Lawinenkegel verschüttet.»
Die Wyssa ist die höchstgelegene und auch gefährlichste der Suonen, die im Gredetschtal aus dem Mundbach gespeist werden. Die Schöpfe der Wyssa liegt auf rund 1'537 Metern. Früher wurde das Wasser direkt aus dem Bach gefasst. Heute ist es die EMBAG (Elektrizitäts- und Wasserwerk der Gemeinde Brig-Glis AG), die die moderne Trink- und teilweise auch die Bewässerungswasserversorgung in der Region organisiert und betreibt.
Die Nutzung sowie der Unterhalt der Wässerwasserleitungen wurden teilweise bis heute gemeinschaftlich durch sogenannte Geteilschaften geregelt. Jedes Mitglied (Geteile) hat das Recht, Wasser aus der Suone zu beziehen, aber auch die Pflicht, zu deren Unterhalt beizutragen.
«Der Wasservogt wurde bestimmt. Da die Arbeit oft sehr gefährlich war und immer wieder jemand an den Felsen abstürzte und ums Leben kam, war diese Funktion bei der Wyssa nicht unbedingt beliebt.»
Jede Geteilschaft wählte einen «Wasservogt» und einen «Wasserhüter». Der Wasservogt war der Vorsteher und Verantwortliche der Geteilschaft und vertrat diese gegen aussen. Er verwaltete die Wasserrechte, schlichtete Streitigkeiten und übernahm organisatorische Aufgaben. Zudem bewahrte er die Tesseln mit den eingekerbten Wasserrechten auf.
Tesseln waren hölzerne Zeichen, auf denen die Wasserrechte und Pflichten der Geteilen mit Kerben festgehalten wurden. Jeder Geteile besass eine Tessel, während der Wasservogt das passende Gegenstück aufbewahrte. Legte man beide Teile zusammen, konnten die Kerben verglichen und damit die jeweiligen Rechte und Pflichten überprüft werden.
So regelten die Tesseln, wer wie viel Wasser beziehen durfte und welche Verpflichtungen gegenüber der Geteilschaft bestanden. Einige dieser historischen Tesseln sind bis heute erhalten geblieben.