Blickpunkt

«Gmeiwärch» an der Wyssa

Unterhaltsarbeiten während dem «Gmeiwärch» an der Wyssa.
Unterhaltsarbeiten während dem «Gmeiwärch» an der Wyssa.

Für den Unterhalt der Suonen und die Regelung der Bewässerung waren die Wassergeteilschaften zuständig. Wer Land besass, das durch eine Wässerwasserleitung bewässert werden konnte, war Mitglied (Geteile) der entsprechenden Geteilschaft. Damit verbunden war das Recht, Wasser aus der Suone zur Bewässerung der eigenen Güter zu nutzen, aber auch die Pflicht, im Gemeinwerk zu deren Unterhalt beizutragen.

Der Schortag

Das «Gmeiwärch» findet in der Regel jedes Frühjahr statt. Dafür wird ein sogenannter Schortag (von «schoren» = umgraben) festgelegt, an dem alle Geteilen gemeinsam am Unterhalt der Suone arbeiten. Früher wurde die geleistete Arbeit mit einem bestimmten Betrag gutgeschrieben. Wer nicht mitarbeitete, musste einen entsprechenden Beitrag bezahlen.

Die Tradition des Gemeinwerks hat sich vielerorts bis heute erhalten. Mit dem Rückgang der Beschäftigten in der Landwirtschaft werden die jährlichen Unterhaltsarbeiten für die verbleibenden Beteiligten jedoch immer aufwendiger. Manche Geteilschaften haben sich aufgelöst, weil die Suonen nicht mehr genutzt wurden oder die Bereitschaft zur gemeinsamen Mitarbeit fehlte.

Verein rettet den Oberlauf

Der Oberlauf der Wyssa führte durch steiles und felsiges Gelände und war mit seinen Holzkänneln besonders aufwendig und gefährlich zu unterhalten. Die Holzkonstruktionen mussten regelmässig repariert und nach Schäden durch Steinschlag, Lawinen und Witterung erneuert werden.

1964 wurde ein Stollen gebaut, durch den das Wasser sicherer und mit deutlich weniger Unterhaltsaufwand durch den Berg geleitet werden konnte. Der alte Oberlauf verlor dadurch seine Funktion und wurde nicht mehr für die Bewässerung genutzt.

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Jedes Jahr Ende Mai steigen Freiwillige der Unterhaltsträgerschaft Wyssa-Stigwasser ins Gredetschtal, um die Suone Wyssa instand zu stellen. Wir haben sie 2025 begleitet.

1996 wurde in Mund der «Verein Unterhaltsträgerschaft Wyssa-Stigwasser» gegründet, nachdem die alte Wasserleitung zunehmend verfallen war. Der Verein sanierte Teile des historischen Holzkanalsystems und organisiert bis heute das jährliche Gemeinwerk. Damit konnte ein bedeutender Teil des Kulturerbes erhalten und wieder zugänglich gemacht werden.

Heute führt der Wanderweg entlang der Wyssa durch zahlreiche Felstunnel und vorbei an eindrücklichen Abschnitten der historischen Wasserleitung. Die Wyssa ist damit nicht nur ein Zeugnis der traditionellen Bewässerung, sondern auch zu einem touristischen Höhepunkt der Region geworden.

Die Wyssa führt wieder Wasser entlang des spektakulären Wanderweges.
Die Wyssa führt wieder Wasser entlang des spektakulären Wanderweges.