Blickpunkt

Der Burgerwald

Burgerwald ist Wald im Eigentum einer Burgergemeinde, also einer Gemeinschaft von Burgern, die ihn gemeinsam verwaltet und nutzt. Im Kanton Wallis gehören rund 86 Prozent des Waldes solchen Burgergemeinden, in der Region Naters sind es rund 1'588 Hektar.

Betreut wird dieser Wald heute vom Forstrevier Massa. Das 1989 gegründete Revier umfasst rund 2'125 Hektar Wald, die öffentlichen Wälder der Gemeinden und die Burgerwaldgebiete der Burgerschaften von Naters, Mörel-Filet und Bister. Seine Hauptaufgabe ist die Pflege des Schutzwaldes, der Siedlungen und Verkehrswege vor Steinschlag und Lawinen sichert. Bei der Holznutzung gilt die Regel, dass nicht mehr geschlagen wird, als nachwächst.

Das Blindtälli

Geschaffen vom Aletschgletscher, gehört das Blindtal, zu diesem Burgerwald. Über Generationen war der Wald hier Lebensgrundlage. Er lieferte Bauholz und Brennholz, er schützte Siedlungen und Wege vor Lawinen und Erosion, und er gab Nahrung und Streu. Er war Arbeitsraum und gemeinsames Gut zugleich. Wer ihn nutzte, war an die Regeln der Burgerschaft gebunden: Holz schlagen, rücken und verteilen war Recht und Pflicht in einem.

Das Blindtälli zwischen Geimen und Blatten zeigt, wie stark sich diese Nutzung verändert hat. Vor rund 150 Jahren war es eine grosse, offene Weidefläche welche durch die Burger ersteigert werden konnten um ihre Rinder darin weiden zu lassen. Wald und Weide waren damals vielerorts nicht getrennt. Das Vieh frass Kräuter, Gräser und Laub zwischen den Bäumen, und die Wälder blieben dadurch licht.

Im Herbst wurden an den Steilhängen des Blintals das Holz geschlagen und für Brennholz genutzt.

Photo von 1917 wo das Blindtälli noch eine grosse, offene Weidefläche war, die von den Bauern für ihre Rinder genutzt wurde.
Photo von 1917 wo das Blindtälli noch eine grosse, offene Weidefläche war, die von den Bauern für ihre Rinder genutzt wurde.

Zwischen 1925-27 wurde das Tal mit Nadelbäumen aufgeforstet, um Brennholz zu gewinnen. Diese Aufforstung fällt in die Zeit nach den eidgenössischen Forstgesetzen von 1876 und 1902, die den Schutz der Gebirgswälder vorschrieben und die Waldweide als nachteilige Nutzung untersagten. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich die Wälder im ganzen Alpenraum.

Heute dient das Blindtälli mit seinem ausgeglichenen Mikroklima als Erholungsgebiet für die Anwohnenden und für Gäste. Es gibt sowohl einen Vitaparcour sowie einen Waldkindergarten. Der Wald ist dichter als vor hundert Jahren, und die Burgerschaft verwaltet ihn weiterhin gemeinsam, heute im Rahmen des Forstreviers Massa.

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