Die Waldfläche der Schweiz beträgt rund 1,3 Millionen Hektar, etwa 32 % der Landesfläche. Rund zwei Drittel davon gehören der öffentlichen Hand, also Gemeinden, Burgergemeinden und Korporationen, nur etwa ein Drittel einzelnen Privatpersonen. Allein rund 40 % der Schweizer Wälder sind im Besitz von Burgergemeinden und vergleichbaren Körperschaften.
Ähnlich wie Alpweiden und Alpen ist der Burgerwald eine besondere Form des Gemeinschaftseigentums. Diese Wälder wurden seit Jahrhunderten vielfältig genutzt, bewirtschaftet und von den Burgergemeinden verwaltet. Der Wald war eine überlebenswichtige Ressource für die Menschen, da er Brenn- und Bauholz lieferte, als Weidewald diente, Nahrung und Heilpflanzen bot und vor Naturgefahren schützte. Gleichzeitig war der Wald Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.
Rund 41 % der gesamten Schweizer Waldfläche befinden sich im Eigentum von Burgergemeinden und vergleichbaren Körperschaften. Zusammen mit den politischen Gemeinden besitzen diese Körperschaften 59 % des gesamten Schweizer Waldes.
Rund 86 % des Waldes im Kanton Wallis gehören den Burgergemeinden, nur etwa 10 % sind in Privatbesitz.
Im Wallis spielt der Burgerwald eine besonders wichtige Rolle. Wegen der steilen Hänge und der alpinen Lage schützt er Dörfer und Verkehrswege vor Lawinen, Steinschlag und Erosion. In der Region Naters sind rund 1'588 Hektar der Gesamtwaldfläche im Besitz der Burgerschaft.
Der Wald am Natischer Berg wird heute vom Forstrevier Massa betreut. Das 1989 gegründete Revier umfasst 2'125 Hektar Wald, eine Fläche von über 3'000 Fussballfeldern. Zu Forst Massa gehören die öffentlichen Wälder der Gemeinden sowie die Burgerwaldgebiete der Burgerschaften von Bister, Mörel-Filet und Naters.
Die Hauptaufgabe des Reviers ist die Pflege und Erhaltung des Schutzwaldes. Am Natischer- und Munderberg sichern 1'177 Hektaren Siedlungen und Verkehrswege vor Steinschlag und Lawinen. Weitere knapp 411 Hektaren stehen als Naturwaldreservate und Sonderwaldreservate unter besonderem Schutz. Diese Gebiete zeigen nicht nur ökologische Besonderheiten, sondern auch eine Landschaft, die über Jahrhunderte von gemeinschaftlichen Entscheiden geformt wurde.
«Am Natischer Berg hat es sehr viele Natur- und Kulturwerte. Um diese zu erhalten braucht es viele Hände. Dies kann man nur in der Gemeinschaft machen.»
Auch heute noch übernimmt der Burgerwald eine wichtige Funktion bei der Holzgewinnung. Das geschlagene Holz wird als Bauholz, Brennholz oder für regionale Produkte verwendet. Dabei achtet Forst Massa darauf, dass nicht mehr Holz genutzt wird, als nachwächst. Zudem dient der Wald der Erholung. Wanderwege, Picknickplätze und Naturerlebnisse stehen der Bevölkerung und Tourist:innen offen.
Wie schon früher steht dieses Gemeingut vor grossen Herausforderungen. Der Klimawandel, veränderte landwirtschaftliche Praktiken und ein wachsender Tourismus führen dazu, dass die Regeln des Miteinanders und der Nutzung neu ausgehandelt werden müssen, so wie es die Geteilschaften immer getan haben, wenn sich die Umwelt wandelte.
Aufgrund mangelnder Schutzregeln waren im 19. Jahrhundert viele Schutzwälder stark abgeholzt. In Bergregionen wie dem heutigen Wallis führte die zunehmende Übernutzung teilweise zu Erosion und Naturgefahren. Ein Meilenstein war das erste eidgenössische Forstpolizeigesetz von 1876, das unter anderem den Schutz der Gebirgswälder vorschrieb. Im Waldgesetz von 1902 wurde es verschärft und auf die ganze Schweiz ausgeweitet. Von da an durften Waldflächen nicht mehr vermindert werden. Das führte dazu, dass die Waldfläche heute sogar grösser ist als im 19. Jahrhundert.
Revierförster Christian Theler und sein Team führen diese Tradition fort. Sie bewirtschaften den Wald im Auftrag der Gemeinschaft, mit dem Ziel, seine Nachhaltigkeit, Biodiversität und Resilienz für die kommenden Generationen zu sichern. Forst Massa setzt auf eine gute Schutzwaldpflege zur Vorbeugung und forciert gezielt einen Waldumbau hin zu widerstandsfähigeren, trockenresistenten Baumarten wie der Eiche, der Mehlbeere, dem Feldahorn und der Vogelbeere, die das ökologische Gleichgewicht stärken und die Schutzfunktion langfristig sichern sollen. Der Burgerwald bleibt damit ein Ort, an dem sich zeigt, wie gemeinschaftlich verwaltete Ressourcen zum Wohle aller erhalten werden können.