Blickpunkt

Kulturlandschaft und Sonderwaldreservate

Der Wald auf dem Natischer Berg ist eine Kulturlandschaft, geformt über Jahrhunderte durch die Menschen, die hier lebten und arbeiteten. Lärchen-Weidwälder entstanden, weil die Bauern ihr Vieh zwischen die Bäume trieben. Kastanien- und Nussbaumselven wurden gepflanzt, weil ihre Früchte zur Ernährung gehörten. Niederwälder wurden regelmässig geschnitten, um Brennholz zu gewinnen.

Diese Nutzungsformen hielten den Wald licht und offen. Licht- und wärmebedürftige Tier- und Pflanzenarten fanden darin ideale Bedingungen. Mit dem Ende der Waldweide und dem Rückgang des Niederwaldbetriebs schlossen sich die Wälder, Hochwälder verdrängten die alten Nieder- und Mittelwälder, und mit den lichten Beständen verschwand auch der Lebensraum vieler dieser Arten. Lichte Wälder sind heute selten geworden.

Sonderwaldreservate

Sonderwaldreservate bewahren diese gewachsenen Landschaften als lebendiges Erbe. Anders als im Naturwaldreservat, wo der Wald sich selbst überlassen bleibt, wird hier gezielt eingegriffen. Bäume werden gefällt, damit Licht auf den Boden fällt. Lücken werden offen gehalten, damit Arten überleben, die im geschlossenen Wald verschwinden würden. Die Eingriffe sind behutsam und folgen einem Plan.

Im Forstrevier Massa dienen solche Eingriffe der Förderung bedrohter Lebensräume, etwa für Vögel wie das Birkhuhn oder für Pflanzen, die Wärme und Sonne brauchen. Knapp 411 Hektar des Reviers stehen als Naturwaldreservate oder Sonderwaldreservate unter besonderem Schutz.

Wie alte Nutzungsformen zurückkehren können, zeigt der Weidewald Salwald, wo seit 2024 wieder Kälber und Rinder weiden.

Was hier gepflegt wird, ist damit dieselbe Landschaft, die Generationen von Bauern und Burgern durch ihre Arbeit hervorgebracht haben. Der Unterschied liegt im Zweck: Früher entstand die Offenheit als Nebenprodukt der Nutzung, heute wird sie bewusst erhalten.