Blickpunkt

Der Weidewald Salwald

Der Salwald besteht hauptsächlich aus Lärchen und wurde über Jahrhunderte als Weidewald genutzt. Er umfasst 13 Hektar und ist vollständig von einer einen Meter hohen Trockenmauer umgeben, die zugleich Zaun und Grenzmauer ist. Weitere alte Steinmauern verlaufen durch den Wald und trennten einst das Gemeingut vom Burgergebiet. Sie sind Zeugen dieser Nutzungsgeschichte und bieten heute zahlreichen Tier- und Insektenarten Lebensraum.

Der Wald war eine wichtige Nahrungsquelle für Nutztiere. Ziegen, Schafe, Schweine und Rinder frassen Kräuter, Gräser, Laub sowie Eicheln und Bucheckern. Im Herbst wurde das Laub als Winterfutter oder Dünger für die Felder gesammelt. In Notsituationen liess man die Tiere bis weit in die Vegetationsruhe hinein in den Wäldern. Infolge dieser intensiven Beweidung und der Nutzung von Holz zu Bau- und Heizzwecken waren die Wälder wesentlich lichter als heute. Diese Offenheit begünstigte einen grossen Artenreichtum: Licht- und wärmebedürftige Tier- und Pflanzenarten fanden hier ideale Bedingungen.

Das Senntum von Mund

Der Salwald war Teil des Burger-Senntums von Mund, einer genossenschaftlich organisierten Gemeinschaftsalpung. Sie bestand aus drei Senntümern: dem Salwald, dem Äusseren Senntum und Horumatte. Jeder Burger durfte seine Kuh abwechselnd in einem davon sömmern. Betrieben wurde es von einem Senn und zwei Hirten. Mitglied war, wer eines der 46 Kuhrechte besass; als Nachweis diente die «Senntumtässla». Wer sein Kuhrecht nicht nutzte, konnte es weitervermieten. Zum Senntum gehörten ein «Senntumsstier» und Schweine, die während der Saison mit «Schotta» gefüttert wurden, der bei der Käseherstellung anfallenden Molke.

Im Frühjahr trafen sich alle 46 Genossenschafter zum «Gmeiwärch», der gemeinsamen Arbeit im Salwald. Grenzmauern wurden instand gestellt und die Weideflächen von Ästen und Zapfen geräumt.

Das Senntum war ein Stufenbetrieb. Im Frühjahr blieben die Tiere zwei Wochen im Salwald, um St. Peter und Paul am 28. und 29. Juni zogen Hirten und Vieh auf die Brischneralp weiter. Am 25. Juli wurde ins Senntum Horumatte gezügelt, nach einem Monat ging es zurück in den Salwald, wo die letzte Woche der Alpsaison verbracht wurde. Das Munder Burger-Senntum, zu dem der Salwald gehörte, wurde in den 1960er-Jahren aufgegeben.

Der Wald schliesst sich

Die Übernutzung des Waldes und wiederholte Naturkatastrophen machten die Schadwirkung einer unkontrollierten Waldweide sichtbar. Mit dem Forstpolizeigesetz von 1902 wurde die Waldweide als «nachteilige Nutzung» verboten. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich die Wälder, Hochwälder verdrängten die alten Nieder- und Mittelwälder. Damit verschwand Lebensraum für licht- und wärmebedürftige Arten. Lichte Wälder sind heute Mangelware.

Seit 2024 wird im Salwald wieder Weidegang betrieben. Der Wald ist an zwei Bauern vermietet, die ihn in den Sommermonaten für ihre Rinder nutzen. Die Tiere werden in Koppeln gehalten.

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